Warum sind wir im Hamsterrad gefangen?

Lehrer

«Die hören mir nie zu!»
«Es gibt keine Motivation …»
«Die machen mich fertig …»

Schüler

«Wofür brauchen wir das überhaupt?»
«Das ist alles total langweilig…»
«Ich habe überhaupt keine Lust…»

Unsere Schulen befinden sich in einem Zustand, in dem alle das Gefühl haben, man müsste eigentlich irgendwas tun. Alle Beteiligten empfinden Stress. Lehrer und Schüler befinden sich in einer Art Hamsterrad und niemand hat das Gefühl, selber etwas verändern zu können.

Viele Lehrkräfte würden gerne einiges anders machen, haben aber kaum Spielraum für das, was ihnen wichtig wäre, zum Beispiel für die verschiedenen Bedürfnisse ihrer Schüler. Es geht um Noten, es geht um die Erfüllung von Vorgaben, gleichzeitig soll Inklusion gelingen und jedes Kind individuell gesehen und gefördert werden.

«Was ich immer wieder erstaunlich finde ist, dass, wenn man normalen Unterricht gibt, dann hat man das Gefühl, dass die Jugendlichen vor einem sitzen und sich in einer Art Standby-Modus befinden. Ich hatte dann immer das Gefühl, da muss doch noch mehr sein. Wo sind sie eigentlich?»

Jugendliche bei der Probe der Aktive Player NK im Heimathafen Neukölln.

Wie können wir Raum für Potenziale schaffen?

Frau Baum, Lehrerin
«… es erweitert auch mein Denken im Unterricht und meinen Einsatz von Methoden und Herangehensweisen. Ich kann verstehen, warum Schülerinnen und Schüler nicht motiviert sind und nun weiß ich es auch zu begründen … Ich freue mich, dass ich Sie und Ihre Ideen kennenlernen durfte und nun selbst erfahren kann. Endlich jemand, der es mir so erklärt, dass ich wirklich danach handeln kann.»

Walid, 19 Jahre

«Das Glück kommt in der Probenzeit, weil man frei ist. Man ist wortwörtlich frei, und ich glaube, so eine Freiheit gibt es sehr selten auf der ganzen weiten Welt!»

Das Verblüffende ist: Sobald wir das Hamsterrad verlassen und wirklich etwas anderes machen, wird sichtbar, was alles möglich ist. Plötzlich stehen dort wache Kinder und Jugendliche und wollen sich anstrengen. Und es scheint so zu sein, als wenn endlich das stattfindet, wofür Schule ja eigentlich da ist.

«Das sieht man in ihren Gesichtern. Plötzlich werden sie sichtbar – wach – und fangen an zu zeigen, wer sie sind und was sie können. Die ganze Trübsal, die einem manchmal im Schulalltag begegnet, ist dann wie weggeblasen.»

Warum liegen in unseren Schulen so viele Potenziale brach oder werden als Störung wahrgenommen?

Was braucht man dafür?

«Ich habe lange gebraucht, bis ich einen Weg dahin gefunden habe. In 17 Jahren Schuldienst habe ich mich immer wieder gefragt, wie man Unterricht gestalten kann, der allen etwas bringt. Der niemanden langweilt und niemanden demütigt. Und bei dem alle was lernen, ich auch. Ich habe von meinen Schülern gelernt, dass so ein Unterricht vier Dinge braucht: A-C-T + Ziel»

1. A_nerkennung

Nahe, vertrauensvolle Beziehungen zwischen allen Beteiligten und absolute Wertschätzung.

2. C_ommunication

Verzicht auf Bewertungen. Fehler gibt es nicht.

3. T_eilhabe

Ernst gemeinte, unendlich viele Partizipationsmöglichkeiten für alle.

+ 4.

Gemeinsame Erlebnisse und Erfahrungen mit einem gemeinsamen Ziel.

«All das ging nur sehr begrenzt im üblichen Fachunterricht im Klassenzimmer. Deswegen habe ich gemeinsam mit meinen Schülern das sogenannte Theatrale Mischpult erfunden. Das Theatrale Mischpult ist der Ausgangspunkt für die Erfindung der partizipativen Spielwiesen von ACT

Warum gibt es in Deutschland so viele Schulabbrecher und gescheiterte Bildungsbiografien?

Theater als wirkmächtigstes Bildungsmittel unserer Zeit

Die Grundprinzipien von ACT lassen sich auf zahlreiche verschiedene Lern- und Gestaltungsprozesse übertragen – fächerübergreifend, interdisziplinär.

Dennoch setzt ACT als Basis und Startpunkt aller Lernprozesse immer auf die Spielform Theater. Denn Theater – im Sinne von Theater spielen und Theater kreieren – ist das wirkmächtigste Bildungsmittel unserer Zeit.

«Trau keinem Gedanken, der im Sitzen entstanden ist.»

Der Wahrheitsgehalt dieses Satzes, der Nietzsche zugeschrieben wird, kann heute durch die Neurobiologie bewiesen werden: Neurobiologen haben den Zusammenhang zwischen Bewegung, Emotion und nachhaltigem Lernen inzwischen wiederholt wissenschaftlich belegt.

Während der partizipativ gestalteten Theaterarbeit arbeiten Jugendliche grundsätzlich handlungs-, erfahrungs- und wirkungsorientiert:

Theater spielen und kreieren verbindet unter dem Primat ästhetischer Gestaltung komplexe kognitive, emotionale, motorische und soziale Anforderungen und ermöglicht dadurch auf besonders effiziente Weise die Ausbildung von sozialer Kompetenz und von Kreativität.

Theater spielen und kreieren ermöglicht Lernen und Toleranz, Verstehen und Teilhabe und damit eine ganzheitliche Persönlichkeitsentwicklung.

Theaterspielen macht schön und selbstbewusst! Ein Mädchen traut sich das erste mal vor der Gruppe Gitarre zu spielen.

Was ist das Geheimnis von ACT?

Linda, 15 Jahre

«Es macht mich einfach glücklich. Wenn ich merke, jetzt kann ich so sein, wie ich will, und jetzt kann ich einfach mal loslegen.»

Frau Müller

«Das klingt vielleicht drastisch, aber Ihre Sicht hat mir die Augen geöffnet, für die Welt und wie ich mich in ihr verstehen muss. Die Effekte, die Sie beschrieben haben, sind genial und ich konnte sie selbst so beobachten. »

Dass jeder verschieden sein darf und gerade in seiner Einzigartigkeit wichtig ist für das gemeinsame Ziel, schafft eine unglaubliche Motivation. Das Geheimnis dabei ist: Wenn alle Beteiligten sich als Kollektiv begreifen und an einer gemeinsamen übergeordneten Aufgabe arbeiten, braucht es die Vielfalt, braucht es die Verschiedenheit. Die Jugendlichen sind keine Einzelkämpfer mehr, die miteinander konkurrieren müssen – stattdessen erleben sie das Glück gelingender Kooperation.

Solange Schüler in Konkurrenz – um Noten, um Aufmerksamkeit, um als ideal beschworene Bildungsbiografien – zueinander stehen, können sie nicht begreifen, warum sie einander respektieren und wertschätzen sollen. Wenn sie aber ermutigt werden, verschieden zu sein und auch zu bleiben, wenn das Eigene Anerkennung durch die gesamte Gruppe findet, und gerade dieses Eigene erkennbar einen Sinn für alle erfüllt, laufen Kinder zu Hochform auf – und lernen das Andersartige, Fremde als Bereicherung zu begreifen.

Damit löst diese Form des Arbeitens eines der größten Probleme unseres derzeitigen Schulsystems: die Unfähigkeit, Vielfalt als Grundvoraussetzung und Riesen-Ressource zu begreifen.

So lernen Jugendliche:

Ich bin einzigartig, und das darf ich auch sein. Und genau durch das, was ich kann, habe ich die Möglichkeit, die Welt mitzugestalten und anerkannter Teil einer Gemeinschaft zu sein.

Ergreife die Initiative und inszeniere dich und dein Leben immer wieder neu! Fange an, die Welt spielerisch zu begreifen und vertraue der eigenen Regie, ohne Angst vor «Fehlern» – denn Fehler sind Umwege, und Umwege erhöhen die Ortskenntnis.

ACT heißt: Handle und spiele — und führe Regie über dein Leben!

ACT arbeitet nach dem Ansatz des partizipativen biografischen Theaters, den Maike Plath in langjähriger Arbeit an einer Neuköllner Hauptschule entwickelt hat.

Alle Abbildungen: Friederike Faber
Film: Moritz Degen